By Ingo in FC St. Pauli
Und doch noch ein Bericht von der JHV zum Thema Ehrenpräsident. Auslöser ist die gestrige Ankündigung des Ehrenrates (14.11.2010), Cornelius Littmann die Ehrenmitgliedschaft des FC St. Pauli anzutragen; sozusagen als „Ersatz“ für den Ehrenpräsidenten. Ein Angebot, das Littmann abgelehnt hat. Man liegt wohl nicht falsch, wenn man die Vermutung äußert, dass ihm dies nicht reichte.
Im Vorwege ist ja schon von allen möglichen Leuten alles mögliche geschrieben worden (incl. des Autors). Die Meinungen waren durchaus unterschiedlich und auch auf der gestrigen JHV war deutlich, dass die Meinungen zu dem Antrag der sportlichen Leitung u.a. nicht gerade einheitlich bewertet wurde.
M.E. nach ist mit der Nichtbehandlung ein sinnvoller Weg eingeschlagen worden, weil so, mal völlig abgesehen von Satzungsfragen, der Versammlung die Auseinandersetzung um die Person Littmann erspart blieb. Klar war von Anfang an, dass der Antrag polarisieren würde und es gab nicht wenige in der Versammlung, die einen Rückzug Littmanns für klug gehalten hätten, weil er so einer Selbstbeschädigung entgangen wäre. Aber er wollte nicht, und das zeigt mir deutlich, dass er die Ehrung mit Macht und Gewalt haben wollte; koste es, was es wolle. Nachdem der Antrag wg. Nichtbefassung von der Agenda verschwand, verschwand auch Littmann, doch dazu nachher mehr.
Nachgerade erstaunlich ist dann ein Zitat Littmanns in der Mopo und im Abendblatt vom 15.11.2010: „Das war mir zuviel Theater (Anmerkung des Autors: Merkwürdige Aussage für einen Theatermann). Ich habe zwischendurch daran gedacht, ans Mikrofon zu treten und zu sagen: Lasst es doch einfach bleiben. Mein Glück hängt nicht von dieser Ehrung ab.“ Mal ernsthaft, wer soll das nach dem Vorgeplänkel glauben?
Mit einer gewissen Spannung durfte man dann abwarten, was dann am zweiten Tag geschehen würde. Littmann war da, aber der Ehrenrat bot ihm nun doch nicht die Ehrenmitgliedschaft an. Ich habe nach der Sitzung ein Ehrenratsmitglied gefragt, warum der Vorschlag nicht kam. Begründung: Littmann wollte das nicht.
Was soll man davon halten? Ich für meinen Teil interpretiere das wie folgt: nachdem Littmanns Begehr auf Ehrenpräsidentschaft (und darunter tut ers ja nicht) indirekt abgelehnt war, verließ er nicht nur beleidigt die JHV, sondern verzichtete auf auf die Ehrenmitgliedschaft, weil: unter seiner Würde.
Und das ist wirklich im höchsten Maße unappetitlich. Ich gebe zu, ich tue mich mit Begriffen wie „Ehre“ schwer. Würdigungen für Leistungen dagegen sind völlig ok und so wird bei St. Pauli der Begriff der Ehrung auch verstanden: Als eine Würdigung für besondere Leistungen. Es gibt wohl in diesem Verein niemanden, der die Leistungen Littmanns nicht anerkennen würde. Die Bereitschaft des Ehrenrates, Littmann die Ehrenmitgliedschaft anzutragen, zeigt, wie sehr der Verein seine Verdienste würdigt (auch wenn er noch keine sechzig Jahre Vereinsmitglied ist). Und es hätte wohl kaum jemand in der Versammlung gegeben, der Littmann die Ehrenmitgliedschaft verweigert hätte. Aber nein, die Diva Littmann wollte nicht; sie war offensichtlich beleidigt und fühlte sich unter Wert behandelt.
Wenn ich dann aber heute erlebt habe, für welche Leistungen Ehrennadeln, Ehrenteller oder Ehrenmitgliedschaften verliehen wurden, dann fällt mir zu dem Verhalten Littmanns eigentlich nur noch ein Wort ein: Schäbig.
Wie geschrieben, kann man zu Ehrungen ein gespaltenes Verhältnis haben. Wer aber heute abend erlebt hat, wie die Versammlung sich erhoben hat, um Leute wie Günther Peine oder Inge Schnell (als Beispiele, ohne die anderen Jubiliare herabzuwerten) für ihre Leistungen zu würdigen, ja, auch zu ehren und die gesamte JHV stehende Ovationen von sich gab, der bekommt schon ein merkwürdiges Gefühl, oder, wie einige meinten „Pippi in die Augen.“ Cornelius Littmann hätte seinen Platz in der Riege der Menschen, die Außergewöhnliches für diesen Verein, und das unter hohem persönlichen Einsatz, geleistet haben und noch werden, haben können.
Er wollte ihn nicht, weil er ihm nicht genügte, weil er seine Leistungen so hoch einschätzte, dass sie ihm einen besonderen Rang im Verein verschaffen sollten. Mit dieser Meinung steht er vielleicht nicht allein. Ich persönlich bin aber der Meinung, bevor ein Cornelius Littmann die Würde eines Günther Peine haben wird, die ihn zu einer Ehrenmitgliedschaft berechtigen würde, wird uns wohl der Himmel auf den Kopf fallen.
Und das meine ich mit „durch und durch unapetittlich“: Littmann setzt sein Leistungen über die anderer und will das honoriert haben.
Ich hoffe mal wirklich, dass der letzte Satz in dem o.a. Interview zutrifft: „Wer weiß, ob das nächstes Jahr wieder Thema wird.“
Sollte das wider meines Erwartens der Fall sein und wir haben die Debatte wieder, dann werde ich alles dafür tun, dass Littmann kein Ehrenpräsident wird. Das hat er sich in den letzten beiden Tagen gründlich verscherzt.
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